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Jost Auler
Hundejunge und Blumenmond
Eine Jugenderzählung aus der mittleren Steinzeit. 
Mit Illustrationen von Hermann Josef Loosen
BoD Norderstedt 2000
ISBN 3-89811-567-4

Rezension von Miriam Sénéchau auf Archäologie Online (http://www.archaeologie-online.de/de/bibliothek/rezensionen/auler_hundejunge_und_blumenmond/?0=):

In seinem Jugendbuch "Hundejunge und Blumenmond" entwirft der Archäologe und Historiker Jost Auler ein auf archäologischen Funden basierendes Lebensbild mesolithischer Wildbeutergruppen in einer Zeit, als bereits erste Bauern beginnen, in Mitteleuropa zu siedeln.

"Hundejunge", ein Jugendlicher, lebt in einer kleinen Hütten- und Zeltsiedlung auf einer Niederterrasse des Rheins. Jagd und Fischfang bestimmen seinen Alltag. Eines Abends bringt ein Bote Unruhe in das Leben der Siedlungsgemeinschaft. Er berichtet von fremden Menschen, die immer tiefer in das Land der Jäger eindringen, Wälder roden und Häuser bauen. Der Schamane und der Anführer der Gruppe berufen eine Versammlung der Männer und Frauen ein und unterrichten diese über die beobachtete Lebensweise der Fremden, die sich in so vielen Bereichen von jener der Wildbeuter unterscheidet. Da er nicht weiß, "warum diese in die Wälder vordrangen und ob sie friedlich gestimmt waren" ermahnt der Anführer die Jäger dazu, "Begegnungen mit diesen Menschen einer anderen Lebenswelt unbedingt zu vermeiden" (S. 29). Da die Lagerbewohner auch nach einiger Zeit noch unsicher sind, wie sie sich den Bauern gegenüber verhalten sollen, entschließen sie sich, deren Dorf und ihre Lebensweise selbst zu erkunden. Es kommt zu einer friedlichen Begegnung mit einem Bauern, der ihnen ein geschliffenes Beil schenkt. Erneute Beratungen zwischen Anführer, Schamane und den Erwachsenen unter den Wildbeutern führen dennoch zu dem Entschluss, "den einwandernden Siedlern und damit auch möglichen Auseinandersetzungen auszuweichen" (S. 47). Hütten und Zelte werden abgebaut, und die Gemeinschaft zieht in Richtung Norden. "Hand in Hand" gehen "Hundejunge" und seine Freundin "Blumenmond" "einer gemeinsamen friedlichen Zukunft entgegen" (S. 50).

Eingebettet in diese Geschichte begegnen den Leserinnen und Lesern eine Vielzahl an soliden Informationen über das Leben und die Sachkultur von Wildbeutergruppen und ersten Bauern in der Übergangszeit vom Mesolithikum zum Neolithikum. Siedlungsweisen, Kleidung und Schmuck, Waffen und Gerät, Jagd und Fischfang, Hausbau und Feldbau kommen ebenso zur Sprache wie Sozialstrukturen und Aspekte der Religion.
Die Schilderungen beruhen dabei größtenteils auf allgemeinen Erkenntnissen der Archäologie zur Urgeschichte in Mitteleuropa. Angeregt wurde das Buch besonders durch konkrete Funde und Befunde des Rheinlandes wie etwa dem mittelsteinzeitlichen Siedlungsplatz 'Gohr 6' bei Dormagen, Kreis Neuss, an dessen Erforschung der Autor selbst beteiligt ist, dem Teilskelett eines Urs von Dormagen-Straberg und der bandkeramischen Siedlung mit einem Holzbrunnen von Erkelenz-Kückhoven.
In einem "Nachwort an die junge Leserschaft" (S. 51) und einem "Epilog für die Eltern" (S. 52-54), der durch eine chronologische Übersicht über die beschriebene Zeit und durch eine Literaturliste ergänzt wird, beschreibt der Autor den archäologischen Hintergrund der Erzählung.

Während das Buch aufgrund seines dichten Informationsgehaltes sehr zu empfehlen ist, werden manche Leserinnen und Leser in literarischer Hinsicht vielleicht einen stringenten Spannungsbogen vermissen und bemerken, dass die Fülle an Details zuweilen Sprach- und Handlungsfluss stört. Auch könnten Druckbild und Umschlaggestaltung (Paperback) verbessert werden.

Dennoch eignet sich die Erzählung, eben wegen seiner wissenschaftlichen Genauigkeit, nicht nur als Lektüre mit Sachbuchcharakter für archäologisch interessierte Laien, sondern vor allem auch als Arbeitsmaterial zur lebendigen Vermittlung von Ur- und Frühgeschichte an Kinder und Jugendliche in der Schule und im Bereich der musealen Öffentlichkeitsarbeit.

Jost Auler arbeitet derzeit an einem Fortsetzungsband zu seiner Erzählung, der zusammen mit "Hundejunge und Blumenmond" unter dem Titel "Die letzten Steinzeitjäger" in gebundener Form erscheinen soll.

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Jost Auler
Caldinius. Dormagens römischer Reitersoldat.
Eine Fibel für junge Leser
archaeotopos-Verlag Dormagen 2009
ISBN 978-3-938473-13-9
64 S. € 9,80.


Rezension von Michael Kaiser M.A. in: Archäologische Informationen 32/1&2, 2009, 141-142:

„Eine Fibel für junge Leser“ untertitelt der Autor ein Büchlein, mit dem er wohl nicht nur Schülern seiner Heimatstadt Dormagen römische Vergangenheit nahe bringen möchte.

Eine kleine Geschichte am Anfang des Bändchens wendet sich an Grundschüler und erzählt von dem römischen Reitersoldaten Caldinius im Jahre 89 n. Chr., der im Alenkastell Durnomagus als dekurio Dienst tut. Die Leser hören von der 500 Mann starken Reitereinheit und der Stelle im Stadtgebiet, an der sich damals deren Garnison befand. Sie erfahren, dass zu dieser Zeit der Rhein die Grenze zwischen dem römischen Reich und „Germanien“ war und die Dormagener Reiter einen Abschnitt dieser Grenze zu sichern hatten. Sodann schildert der Autor das Lager mit seinen Gebäuden, das zivile Lagerdorf mit seinen Bewohnern, ihren Gewerben und ihrem Warenangebot.

Danach lernt man die Familie des Caldinius kennen und erfährt etwas über ihren Lebensunterhalt. Weiter hören die jungen Leser von der Tracht und der Bewaffnung der Soldaten.

Folgend lässt Auler den Rittmeister Caldinius mit seinem Reiterzug einen Patrouillen- und Botenritt unternehmen, der ihn über andere uns durch Ausgrabungen bekannte, römische Siedlungsstellen wie der villa rustica in Dormagen-Nievenheim, dem Kleinkastell auf dem Reckberg bei Neuss-Uedesheim bis zum römischen Legionslager Novaesium führt.

Auf dem Rückweg denkt der altgediente Soldat Caldinius an seine nicht mehr ferne „honesta missio“ und dem dann beginnenden zivilen Leben, vielleicht als Töpfer in Durnomagus. Nach Dienstende begibt sich Caldinius zu Frau und Töchtern; die Familie verbringt den Abend beim Mühlespiel. Kinder der Moderne werden sicherlich überrascht sein, wie alt viele unserer heutigen Gesellschaftsspiele bereits sind.

Diese vorgeschickte Episode ist für die Zielgruppe leicht zu lesen und bietet in einfacher verständlicher Form viele Informationen. 

Der Hauptteil des Bändchens versteht sich als Sachbuch für Jugendliche und gibt in seinem ersten Kapitel einen Abriss der römischen Geschichte am Niederrhein vom Beginn der Germanienoffensive bis in flavische Zeit. Das zweite Kapitel widmet sich den frühen Spuren römischer Präsenz im Stadtgebiet Dormagen, tiberischen Grabfunden aus Zons, die wohl einem Vorgänger des Kastells Dormagen zuzurechnen sind, einem Kleinkastell bei Haus Bürgel (ehemals linksrheinisch) und schließlich der Ziegelei der Legio I auf dem Gelände der Dormagener Römerthermen. Die zwar konservierten, aber heute mit Boden und Rasen überdeckten Reste der Ziegelei dürften jungen Lesern kaum bekannt sein.

Mit Kapitel III – Gründung des Militärstandortes Dormagen – kommt der Autor zum Kern seiner Darstellung. Dargestellt wird die Lage des Kastells auf dem hochwassergeschützten Hochufer des Rheins im Bereich der Dormagener Altstadt, seine Verteidigungsanlagen und Innenbauten, zuerst in Holz-Erde bzw. Fachwerk, um etwa 150 n. Chr. in Steinbauweise. „Reiter für Rom“ ist das folgende Kapitel überschrieben, das sich, nach kurzem Überblick über die Truppenteile der römischen Armee, Tracht und Bewaffnung der Alenreiter zuwendet.

Die beiden folgenden Kapitel gelten der Pferdeausrüstung, der soldatischen Ausbildung und Übung und den Paraden und Reiterspielen mit ihren besonderen Rüstungen.

Darauf folgt eine Darstellung der Zivilgesellschaft für die und in der die Soldaten ihren Dienst versahen, zunächst die der engeren Umgebung des Zivilvicus, danach der des Hinterlandes. In einem eigenen Kapitel wird auf Bestattungssitten und Religionen eingegangen.

Der Schluss widmet sich der Spätantike und dem Übergang zur fränkischen Herrschaft. 

Der kleine Band enthält für junge Leser eine Fülle von Informationen. Natürlich verbietet sich im Interesse der Lesbarkeit und des leichteren Verständnisses eine allzu große wissenschaftliche Genauigkeit oder gar eine wissenschaftliche Diskussion von selbst. Fachtermini und lateinische Benennungen werden überwiegend sofort erklärt, wenn auch gelegentliche Ausrutscher in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch vorkommen. Der sehr gestraffte Text ist gelegentlich etwas missverständlich; so wird gleich zu Beginn von Kapitel I, Drusus zum Stiefsohn von Gaius Julius Caesar. Auch die Verwendung moderner Begriffe könnte leicht zu Missverständnissen führen: Den Cherusker Arminius kann man sicher nicht als „Warlord“ bezeichnen; Ziegel- und Steinbrucharbeiten waren bei den Legionären äußerst unbeliebt, aber die Bezeichnung als „Arbeitslager“ für die Unterkünfte der in Dormagen ziegelnden Vexillation weckt sicher falsche Vorstellungen.

Die vielfältig angerissenen Themen des Soldaten- und des Zivillebens werden knapp aber immer anschaulich abgehandelt. Die zahlreichen mit Bedacht zusammengetragenen Abbildungen sind geeignet, noch aufkommende Fragen zu klären. Die vielen Hinweise auf im Stadtgebiet Dormagen ergrabene archäologische Befunde wecken gewiss weitergehendes Interesse. Ein Glossar am Ende des Bandes wäre allerdings eine nützliche Abrundung der für interessierte Schüler sicher sehr faszinierenden Übersicht gewesen.





 

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